Aktuelles
Eintrag vom 15.12.2013 GÜNTER ALBRECHT IST TOT
Das liberale Urgestein Günter Albrecht starb am 28. November 2013 im Alter von 85 Jahren in Krefeld.
Günter Albrecht wurde am 7. Mai 1928 in Stralsund geboren. Nach der Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft trat er 1946 in die neugegründete LDP ein und wurde mit 20 Jahren Kreisgeschäftsführer auf Usedom.
Wegen kritischer Äußerungen zum Kommunismus und seiner aufrechten Haltung wurde Günter Albrecht am 5. März 1949 von der russischen Besatzungsmacht verhaftet.
Am 21. Januar 1950 wurde er nach dem berüchtigten Gummiparagrafen 58 des StGB der RSFSR mit weiteren 31 Angeklagten - die meisten davon kannte er nicht – im Gericht am Demmlerplatz zu Schwerin von einem Sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bis zu seiner Freilassung 1955 mußte er Zwangsarbeit in Workuta leisten.
Nach der Haftentlassung war er nur kurz in seiner Heimatstadt Stralsund. Unmittelbar danach floh er in den Westen und holte seine zukünftige Ehefrau und seine Eltern nach.
In Krefeld hat er mit seinem Vater eine Gärtnerei mit einem Spezialbetrieb für Hydrokultur aufgebaut. Und wie selbstverständlich wurde er auch politisch wieder aktiv und trat der FDP bei. Günter Albrecht war langjähriger Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion in Krefeld. 1984 schied er aus dem Krefelder Stadtrat aus.
1982 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
1996 wurde er von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert.
Stefan Krikowski
Günter und Dorle Albrecht beim Workutanertreffen in Halle, 2011.
Eintrag vom 8.12.2013 WORKUTA-REISEBERICHT
Aufstand im Gulag, Tagesspiegel vom 8.12.13, Bericht von Andreas Petersen
Workuta war der Inbegriff des Straflagers unter Stalin. Nach dessen Tod 1953 wehren sich die Häftlinge – unter ihnen Erwin Jöris. 60 Jahre später sucht unser Autor Spuren am Polarkreis.
www.Tagesspiegel.de/Gulag-im-Aufstand.de...schließen
Eintrag vom 7.12.2013 NEUERSCHEINUNG
Julius Margolin, Reise in das Land der Lager. Der erste Augenzeugenbericht aus dem Archipel Gulag.
1. September 1939. Julius Margolin, Bürger mit polnischem und britischem Pass, der seit kurzem mit Frau und kleinem Sohn in Palästina lebt, hält sich in Lodz auf, als die Wehrmacht sein Land überfällt. Im Auto flieht er nach Osten, vorbei an den Flüchtlingstrecks, die von den Deutschen bombardiert werden. Doch der Schwarzmeerhafen Constanza, wo er sich nach Haifa einschiffen wollte, bleibt unerreichbar: Als die Rote Armee am 17. September in Ostpolen einmarschiert, wird die rumänische Grenze abgeriegelt.
Auf seiner Odyssee durch das von Hitler und Stalin eingekeilte östliche Europa wird er Zeuge, wie Juden auf den Marktplätzen die Sowjets als Befreier bejubeln, wie ihre Begeisterung im Laufe des Winters in Entsetzen umschlägt, als die Behörden hebräische Bücher verbieten und schließlich die jüdische Bevölkerung aus der Stadt vertreiben. 1941 wird er verhaftet und in ein Straflager am Weißmeerkanal deportiert.
Halbtot, zufällig gerettet, schreibt er 1947 in Israel nieder, was ihm geschah. Doch niemand wollte etwas hören von Lagern im Land der "Befreier vom Faschismus". Erst heute erscheint sein Zeugnis ungekürzt auf Deutsch. Ungewöhnlich ist nicht nur der Horizont des Berichts, der Holocaust und sowjetische Vernichtungspolitik umschließt. Margolin, dessen Buch in Ton und Haltung an Primo Levi erinnert, ergreift den Leser, weil er als Leidender wie als Zeuge auf seine Rechte pocht und sich wie ein Mensch aus einer anderen, besseren Welt verhält.
Im Original erschienen unter dem Titel Putešestvie v stranu ze-ka (Le Bruit du Temps, Paris).
"Eine Person oder eine Gesellschaft kann nicht seelisch gesund bleiben, wenn sie Opfer oder auch nur Zeuge eines zur Norm erhobenen Verbrechens wird, eines Verbrechens von dem jeder weiß, von dem aber niemand spricht, das keinen Protest in der Welt hervorruft, sondern einfach zur Kenntnis genommmen und sogar gerechtfertigt wird."
Einer der ersten Augenzeugenberichte aus dem Archipel Gulag und ein bis heute gültiges Zeugnis über die Lagerwelt.
Julius Margolin
Reise in das Land der Lager
Suhrkamp
Erschienen: November 2013
ISBN: 978-3-518-42406-3
Gebunden, 638 Seiten, 39€
Eintrag vom 19.11.2013 ERWIN JÖRIS IST TOT
Der ehemalige Workuta-Häftling starb am 17. November 2013 mit 101 Jahren in Köln.
Der Jahrhundert-Zeitzeuge Erwin Jöris war politischer Häftling unter Hitler und Stalin.
"Die Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion hat einen ihrer Besten verloren. Am 17. November starb in Köln unser Kamerad Erwin Jöris, geboren am 5. Oktober 1912 in Berlin-Lichtenberg. Mit 101 Jahren war Erwin unser ältester Schicksalsgefährte. Er war lange Jahre politischer Häftling der Nationalsozialisten und ebenfalls als politischer Häftling in den Gefängnissen und Strafregionen des sowjetischen GULag, vor allem in Workuta inhaftiert. Trotz eines so harten Lebens hatte Erwin nie seinen Berliner Humor verloren. Mit ihm würzte er auch Vorträge, in denen er ungemein fesselnd junge Menschen über das Leben in menschenverachtenden Diktaturen informierte. Wir sind um einen vorbildlichen Kameraden ärmer geworden."
Horst Schüler, Sprecher der Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion

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Eintrag vom 30.10.2013 AUSSTELLUNG – WARLAM SCHALAMOW
Die Ausstellung über Warlam Schalamow wird noch bis zum 8. Dezember 2013 im Literaturhaus, Fasanenstr. 23, Berlin gezeigt.
Leben oder Schreiben - Der Erzähler Warlam Schalamow
Die Kolyma ist ein Fluß im Nordosten Sibiriens, der nach rund 2000 Kilometern ins Ostsibirische Meer mündet. Nach ihm ist auch eine riesige Region Rußlands genannt. Vor allem wegen ihrer Bodenschätze wurde sie in der Zeit des Stalinismus unter Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen industriell erschlossen: In weniger als einem Jahrzehnt wurde ab 1929 ein gigantischer Komplex von Bergwerken, Industrieanlagen und Konzentrationslagern errichtet, in dem Millionen Menschen ausgebeutet und umgebracht wurden.
Der eindrucksvollste literarische Zeuge aus dieser Landschaft der Abweisung, der Kälte, der Sümpfe, aus dieser menschlichen Verlorenheit im Raum, aus der Kolonie der Verfehlungen, der Willkür, des Strafens um seiner selbst willen, aus dem grausamen Reich des Geheimdienstes ist Warlam Schalamow (1907 – 1982).
Seine in der deutschen Übersetzung von Gabriele Leupold vier Bände umfassenden "Erzählungen aus Kolyma" gehören zu jener Weltliteratur, die sich den Lagern, dem Zerbrechen der Humanität, dem Regime des Bösen als anthropologischem Exerzitium widmet. Warlam Schalamow gehört in die nächste Nachbarschaft von Primo Levi, Jorge Semprun und Imre Kertesz, deren Berichte aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz zu den Menschheitszeugnissen über den Terror gehören. In dieser Bibliothek erscheint Schalamows Werk als unerbittliches Dokument, das den Leser einem Praktikum an menschlichem Horror, Verlorenheit, Verrat aussetzt, ihn aber auch mit den Siegen des moralischen Überlebenswillens und dem Glück des rettenden Zufalls vertraut macht.
Mehr als vierzig Jahre und verschiedener Anläufe hat es bedurft, diesen Schriftsteller mit seinem Werk in Deutschland einzubürgern. Da mit den "Erzählungen aus Kolyma" und autobiographischen Zeugnissen aus anderen Lebensperioden das Hauptwerk Schalamows auf Deutsch weitgehend vorliegt, wird es Zeit, sich seinem persönlichen Umriß vor dem Panorama der geschichtlichen Wenden zu widmen, wie es nun die von Wilfried F. Schoeller und Christina Links realisierte Ausstellung unternimmt, für die zahlreiche russische Archive und Museen Leihgaben zur Verfügung gestellt haben.
Literaturhaus Berlin
Fasanenstr. 23, 10719 Berlin-Charlottenburg
Tel.: 030 – 887 286-0
www.literaturhaus-berlin.de/
27. September bis 8. Dezember 2013
Öffnungszeiten: Di. – Fr.: 13 – 19 Uhr, Sa., So. & Feiertags: 11 – 19 Uhr
Eintritt frei
Eintrag vom 29.10.2013 GULAG-AUSSTELLUNG
Die erste große GULAG—Ausstellung in Deutschland findet noch bis zum 8. Dezember 2013 im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, statt.
Gulag, Spuren und Zeugnisse 1929 – 1956
Die Ausstellung präsentiert Spuren und Zeugnisse des sowjetischen Lagersystems, die die Menschenrechtsorganisation "Memorial" seit den 80er Jahren aus der gesamten ehemaligen Sowjetunion zusammengetragen hat.
Sie stellt sich dabei der zentralen Frage, wie sich die Dimension des Gulag, von Zeitgenossen bereits als Quintessenz sowjetischer Gewaltherrschaft beschrieben, begreifen lassen. Die Stimmen von Zeitzeugen und die Biografien ehemaliger Häftlinge begleiten den Besucher bei der Erkundung dieses fernen Archipels und schaffen ein Panorama des sowjetischen Lagersystems. Objekte aus dem Bestand von "Memorial" lassen den Lageralltag der Häftlinge gegenständlich werden: etwa ein selbstgenähtes Brotsäckchen, ein zerschlissenes Kleid oder eine metallene Totenmaske.
Deutsches Historisches Museum,
Unter den Linden 2, 10117 Berlin
www.dhm.de
17. Mai bis 8.Dezember 2013
Geöffnet täglich von 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8€, ermäßigt 4€
Eintrag vom 5.9.2013 VERANSTALTUNG
Die nächste Jahrestagung der Lagergemeinschaft Workuta/Gulag Sowjetunion findet vom 30. Mai – 1. Juni 2014 im Schlosshotel Karlsruhe, Bahnhofsplatz 2, 76137 Karlsruhe statt.
Interessierte können sich unter dem Stichwort "Workuta" beim Veranstaltungsort anmelden.
Schloßhotel Karlsruhe
Telefon +49 (0) 7 21/38 32-0
Telefax +49 (0) 7 21/38 32-333
info@schlosshotelkarlsruhe.de
www.schlosshotelkarlsruhe.de
Eintrag vom 5.9.2013 BUCHVORSTELLUNG
Am 24. September 2013 um 18:00 Uhr wird Meinhard Stark sein Buch "Gulag-Kinder. Die vergessenen Opfer" in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vorstellen (Kronenstraße 5, 10117 Berlin).
Gulag Kinder gehören zu den vergessenen Opfern des kommunistischen Terrors. Nach der Verhaftung ihrer Eltern waren sie selbst Repressionen ausgesetzt. Hundertausende Mädchen und Jungen vegetierten jahrelang in Kinderheimen oder später mir ihren überlebenden Müttern bzw. Vätern in der Verbannung. Zehntausende kamen unter widrigsten Bedingungen im Gulag zur Welt. Sie mussten ihre ersten Lebensjahre, völlig unzureichend versorg, in kärglichen Kinderbaracken verbringen. Minderjährige sperrten Stalins Handlanger in "Arbeitsbesserungskolonien" oder gleich in den Gulag. Aber auch nach der Haftentlassung geborenen Kinder tragen Spuren der Lagerhaft ihrer Eltern. Meinhard Stark hat mehr als 100 Gulag Kinder und ihre Mütter bzw. Väter befragt und ihre biografischen Erfahrungen in einer groß angelegten Studie aufgezeichnet.
Meinhard Stark
Gulag-Kinder.
Die vergessenen Opfer
Metropol Verlag
September 2013
ISBN: 978-3-86331-128-5.
Ca. 420 Seiten, 24€
Eintrag vom 5.9.2013 NEUERSCHEINUNG
Wilhelm K. H. Schmidt (Hg.)
Abseits im Strafraum. Lageralltag in Todesnähe.
Leipziger Universitätsverlag 2013, 156 Seiten, 23.-€, ISBN 978-3-86583-794-3
Dem Herausgeber des vorliegenden Buches, Wilhelm K.H. Schmidt, ist es zu verdanken, dass die Biografien Karl Kellers, Roland Budes und Heini Fritsches, alle ehemalige deutsche Gulag-Häftlinge, veröffentlicht werden.
Offen, ehrlich und eindringlich schildern die drei Gulag-Überlebenden ihre Haftumstände, den Lageralltag und vor allem das Weiterleben nach der Freilassung. Allen gemeinsam ist, dass sie in der Frühzeit der DDR (1950-1951) verhaftet, auf dem Boden der DDR von einem Sowjetischen Militärtribunal zu jeweils 25 Jahren Zwangsarbeit in einem „Arbeitsbesserungslager“ verurteilt und ihre Haftzeit in Workuta, einem Gulag-Lagerkomplex weit jenseits des nördlichen Polarkreises, im entferntesten Zipfel Nordost-Europas verbrachten.
Angereichert werden die Berichte, die von großem Widerstandsgeist, Mut und Überlebenswillen zeugen, um eine Vielzahl von Skizzen, Zeichnungen (aus der Hand von Günter Müller–Hellwig), Fotos und Dokumenten.
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