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Eintrag vom 09.05.2026 WERNER GUMPEL IST TOT
Am 13.01.2026 starb Werner Gumpel im Alter von 95 Jahren. Nach schwerer Krankheit fand er nun seine letzte Ruhe.
Ein Nachruf von Dr. Peer Lange
Am 13. Januar 2026 starb Prof. Dr. Dr. h.c. WERNER GUMPEL in einem Augsburger Altenpflegeheim.
In Nachrufen der "Süddeutschen Zeitung" würdigten ihn die Münchner Universität und seine Fakultät. Seine ehemaligen Mithäftlinge im GULAG und mit diesem Teil seiner Lebensleistung Vertraute erfuhren von seinem Ableben erst spät und mittelbar.
- Werner Gumpel, bei seiner Buchvorstellung während der Belter-Dialoge im Alten Senatssaal der Leipziger Universität, 27. April 2015
Nach nur 10 Tagen im eigentlich "heimatlichen" Annaberg-Buchholz wechselte Werner auf Anraten und mit Hilfe seines Vaters sofort ins westliche Deutschland und damit auch in seine akademische Berufung: Studium der Volkswirtschaft von 1956 bis 1960 in Nürnberg (heute Universität Erlangen-Nürnberg), Promotion 1963 an der Universität Hamburg (Institut für Verkehrswissenschaft), Habilitation 1970 an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Berufung zum ordentlichen Professor dortselbst im März 1974, dort Vorstand des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft Ost- und Südosteuropa.
Er lehrte seit 1965 an der Hochschule für Politik München, war dort auch Lehrbereichsvertreter für den Fachbereich III und Mitglied des Senats. Lange Jahre gehörte er dem Ost-West-Arbeitskreis des Auswärtigen Amtes und dem Energiebeirat des bayerischen Wirtschaftsministeriums an. Er war auch Präsident der Deutsch-Bulgarischen Vereinigung in Bayern e.V. sowie Vizepräsident der Südosteuropa-Gesellschaft und hat viele Jahre dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde angehört. Ihm wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Seine gesamte wissenschaftliche Leistung erfuhr ihre grundsätzliche Ausrichtung in der geistigen Durchdringung seiner GULAG-Erfahrung. Parteipolitisch engagiert hat er sich nach eigenem Bekunden nicht, hingegen umso mehr fachwissenschaftlich und dort auch im Verbund mit den politisch verantwortlichen politischen Gremien. Zu dieser achtungswürdigen Gesamtlebensleistung steht sein letzter, gesundheitlich stark reduzierter Lebensabschnitt in bedrückendem Gegensatz. Die gesetzlichen Auflagen des Datenschutzes behinderten im Altenpflegeheim nachhaltig eine unterstützende Hilfe bei seiner Kommunikationsbefähigung, was für einen so ausgeprägten und weithin Kontakt haltenden Akademiker entscheidend wichtig gewesen wäre. Werner war in seinem privaten Auftreten - in der Akademia, wie auch unter uns Exhäftlingen - "eher zurückhaltend, aber freundlich zugewandt", so nahestehende Freunde. Aber wenn es um die Sache ging, war er stets ebenso einsatzfreudig, wie in einer seiner Vorlesungen, als er ihn störende "68er" durch seine sofortige, aber natürlich nicht angenommene Aufforderung zur Sachdiskussion bei sich auf dem Podium augenblicks "in die Schranken wies" – ein für uns auch heute noch schmerzlich fehlendes Vorbild. Werners Leben verdient ehrende Erinnerung. P. Lange ...schließenEintrag vom 28.01.2026 DLF KULTUR: ZEITFRAGEN. FEATURE
Verlorene Zeit - Die letzten deutschen Rückkehrer aus dem Gulag
Gulag-Häftlinge. Späte Rückkehr – Vor 70 Jahren wurden die letzten in sowjetischen Lagern inhaftierten deutschen Zivilisten freigelassen.
Von Isabel Fannrich-Lautenschläger
Ab Herbst 1955 kehrten Zehntausende in sowjetischen Lagern inhaftierte Deutsche in die Bundesrepublik zurück. Ihre Geschichte hat, anders als die der Kriegsgefangenen, bis heute wenig Beachtung gefunden.
Zwischen Oktober 1955 und Januar 1956 konnten nach dem ersten Moskau-Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer nicht nur rund 10.000 Kriegsgefangene in die Bundesrepublik zurückkehren. Auch etwa 20.000 Männer und Frauen, die nach Kriegsende in der sowjetisch besetzten Zone und in der DDR als tatsächliche oder vermeintliche Systemgegner von der sowjetischen Militäradministration verhaftet und zu hohen Lager- oder sogar der Todesstrafe verurteilt wurden, kamen frei. Während die Kriegsgefangenen bei der Rückkehr begeistert empfangen wurden, wurde das Schicksal der Zivilinternierten bis heute nur wenig beachtet. Nur wenige von ihnen leben noch. Im Feature erzählen einige der Überlebenden, ebenso wie die in der Aufarbeitung engagierten Kinder, ihre Geschichte.
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